Ein Twitterer aus Bern unter Pandas in Zürich

I Will If You Will

Diesen Samstag, 31. März findet die Earth Hour statt. 5000 Städte schalten die Beleuchtung ihrer Wahrzeichen aus, als Zeichen für den Klimaschutz. Damit alleine ist die Erde natürlich nicht gerettet.

Zur Earth Hour gehört deshalb auch die Aktion „I Will if You Will“: Herausforderer versprechen, einen Wetteinsatz einzulösen, wenn eine bestimmte Anzahl Menschen etwas Gutes für die Umwelt tut. In der Schweiz stehen schon einige Herausforderer mit kreativen Wetten bereit, darunter auch viele Prominente.

Meine Wette

Wenn fünf Blogger ebenfalls eine eigene Wette aufstellen, dann werde ich eine Mütze stricken. (Ich habe noch nie gestrickt.)

Bei zehn bloggenden Herausforderern färbe ich meine Haare grün, bis ich die Mütze fertiggestrickt habe. Sollten tatsächlich 20 Blogger ihre Leser mit einer Wette herausfordern, werde ich ein Jahr lang regelmässig mit Hunden aus dem Tierheim spazieren gehen. Auch mit den dreibeinigen.

Wer mitmacht, möge den Link zu seinem Blog als Kommentar unter diesen Beitrag schreiben. Am besten gebt ihr eure Wette auch mit dem Onlineformular des WWF ein. Natürlich dürft ihr für eure Wette extra einen Blog starten, meine Wette verbreiten, Stricktipps geben oder mir einen guten Coiffeur empfehlen.

Teilnehmer

(Update:) Drei Blogger haben meine Herausforderung bislang angenommen. Der Idealfall wäre ja, wenn vier Blogger teilnehmen.

Romanbellhunde

Irgendwo in der Ferne bellt ein Hund. Ich wollte immer schon einen Roman schreiben, der mit einem in der Ferne bellenden Hund beginnt. Natürlich bellt da kein Hund, zumindest keiner, den ich hören könnte. Vielleicht bellt er auch einfach zu fern. Oder er bellt leise. Möglicherweise ist er heiser, weil er gestern für einen anderen Roman bellen musste. Wie es schauspielernde Hunde gibt, verdienen sich andere Hunde ihr Geld mit romanbellen. Es ehrt Autoren, wenn sie Romanbellhunde beschäftigen und ihrer Geschichte damit Wahrhaftigkeit verleihen. Um uns anlügen zu lassen, konsumieren wir schliesslich Fernsehsendungen.

Inzwischen habe ich Hundegebell aus der Konserve organisiert. Der Fachhandel führt Tonträger mit allerlei Geräuschen für Romanautoren. Nicht jeder kann sich schliesslich einen echten Romanbellhund leisten. Profis sind teuer, denn sie bellen in unterschiedlichen Stimmungslagen. Krimigebell beispielsweise ist deutlich sonorer und regelmässiger als das Gebell, dass für Arztromane verwendet wird.

Da romanbellen kein Vollzeitjob ist, verdienen sich viele Hunde ein Zubrot, indem sie fremdsprachige Filme und Serien synchronbellen. Was kaum einer weiss: Auch Flipper wurde in der Deutschen Fassung von einem Hund synchrongebellt. Das war so nicht geplant, doch der Synchrondelfin hatte einen Unfall im Thunfischnetz und so sprang der Synchronbellhund von Lassie für ihn ein. Das ist nun schon eine Weile her und wäre heute nicht mehr denkbar. Die ganze Branche ist ja sehr professionell geworden. Gute Synchron- und Romanbellhunde beginnen ihre Ausbildung bereits in der Welpenschule und nur die besten schaffen es jemals in einen Bestseller. Teilnehmer von Castingformaten wie ‚Germany’s next Romanbellhund‘ oder ‚Fido’s got Talent‘ erhalten kurz Aufmerksamkeit und sind meist schnell wieder vergessen. Manch ein Gewinner solcher Sendungen bellt heute für die Securitas.

Dieser Text erschien drüben auf dem Gemeinschaftsblog ABSCHWEIFEN.CH.

Anna sitzt neben mir. Ein leidvoller Gesichtsausdruck verzieht ihre Züge und sie redet verzweifelt auf mich ein: „Ich weiss ja gar nicht mehr, wie ich etwas richtig mache! Meiner Freundin, die total in der Scheisse sitzt, weil ihre Mutter sie jahrelang verhätschelt hat, kann ich nicht helfen. Ich habe kein Geld, dass ich ihr geben könnte, damit sie ihre Schulden begleichen kann! Oder Zeit um auf ihr Kind aufzupassen, damit sie lernen kann hab ich auch nicht! Und überhaupt! Wenn ich in der Migros steh und Essen kaufen will, dann weiss ich gar nicht, worauf ich achten soll! Ich möchte doch gern ökologisch sinnvoll einkaufen! Ich möchte Lebensmittel aus der Region! Und aus fairem Handel! Saisongerecht soll es sein! Und dann soll es noch möglichst gesund und unbearbeitet sein! Aber Geld hab ich keines! Ich studiere und kann es mir nicht leisten, immer nur das Teuerste im Reformhaus zu kaufen! Manchmal gehe ich mit leeren Händen nach Hause und bleibe hungrig: weil ich einfach nicht mehr weiss, wie ich das alles berücksichtigen soll. Herrje, ich will doch radikal sein! Ich will etwas bewegen in dieser verdammten Welt!“

Ich schaue sie lange an und sage nichts. Jedes Mal wenn ich den Mund aufmache, schiesst Anna erneut frustriert los. Ich merke, wie hilflos sie sich fühlt und ich spüre ihre ungebremste Energie, die sie bereit ist, dafür zu investieren. Ich nicke und seufze. Ihre hohen Ansprüche an sich und die Welt kenne ich nur zu gut.

Ich erkenne mich wieder in Annas Worten. Sie erinnert mich an mich selbst vor ungefähr fünf Jahren. Ich grüble darob, ob ich resigniert habe oder ob ich schlicht und einfach meinen Fokus geändert hab. Weil ich irgendwann feststellen musste, dass ich so nirgendwo ankomme. Und dass ich keine Energie habe für alles das, was im Moment geschieht, weil ein so grosser Teil meiner Energie irgendwo im Nichts versandete.

Irgendwann verebben Annas erhitzte Worte. Sie wird still und schaut mich an. Fragend, enttäuscht und hilflos zugleich.

Dann traue ich mich meinen Mund aufzumachen. Ich sage ihr, dass ich denke, dass wir die Welt nur verändern können, wenn wir bei uns selbst anfangen. Das klänge zwar bescheuert abgelutscht, scheint aber tatsächlich so zu sein. Irgendwann vor nicht allzu langer Zeit hätte ich beschlossen mehr Fokus auf den Moment zu richten, und auf meine direkte Umgebung. ‚Die Welt‘ wäre vielleicht gar nicht diese grosse Welt, mit der wir den Globus und seine dazugehörige Atmosphäre betiteln, sondern bloss die bescheidene Welt, in der wir uns täglich bewegen. Ich habe festgestellt, dass ich niemanden retten kann – egal wie schlecht es ihm geht. Ich kann nur da sein und zuhören. Ich kann vielleicht für ihn kochen, oder mit ihm spazieren. Ich kann in einem Moment bloss darüber entscheiden, ob ich jemandem zuhören möchte, ob ich Zeit dafür habe und ob ich das möchte. Ich kann ihn nicht an den Haaren zum Arzt ziehen, von dem ich denke, dass er ihm helfen könnte. Ich kann ihn nicht zwingen mit dem Trinken aufzuhören. Ich kann ihm kein Geld geben, seine Gläubiger zu bezahlen. Ich kann, anstatt zu versuchen in Afrika ein aidskrankes Kind zu heilen, mit dem Kind meiner Freundin spielen – die manchmal keine Zeit und Nerven dafür hat. Oder ich kann leidenschaftlich und zufrieden meinem Beruf nachgehen, und diesen so gut wie möglich verrichten. Und ich habe auch kein Rezept, wie man politisch, ökologisch, gesund und saisonal korrekt einkauft.

Aber ich habe gemerkt, dass ich, wenn es mir gut geht, mehr Kapazität für andere Menschen habe. Dass mein Wohlbefinden einen direkten Einfluss hat auf die Anderen. Und dass es mir besser geht, wenn ich nicht zu streng bin mit der Welt und mit mir. Dass ich Kompromisse eingehen darf. Dass ich mich nicht ständig ablenken lasse durch all die Informationen und Ideale, Ratschläge und Angebote, die mir zur Verfügung stehen. Dass ich mich von der dicken Verpackung befreie musste, um zu hören, was ich in einem bestimmten Moment tatsächlich will und brauche.

Ich grinse nun. Fange schallend an zu lachen und rufe hysterisch: „Wie einfach das alles klingt! Verdammt!“. Dann fängt auch Anna an zu lachen.

„Recht hast du Anna! Unbedingt notwendig seid ihr, diese aufrührerischen, anspruchsvollen und kompromisslosen Menschen mit Veränderungsdrang für die Welt!“ Ich lache noch immer.

Dann steht Anna auf und sagt: „So, ich habe hunger. Ich hole mir jetzt einen Döner.“

Science Slam

Auf der Bühne präsentieren Wissenschaftler ihre Arbeit.

Lasst diesen Satz auf euch wirken. Früher hätten wir gesagt: „Bähh, laaaaaaangweeeeeilig!“ Heute gibt es den Science Slam und plötzlich reden wir von einem Kulturspektakel. Am Science Slam kämpfen Forscher um die Gunst des Publikums, denn das kürt den unterhaltsamsten Vortrag und verleiht den Hauptreis, einen … oha … pinken Hirsch.

Jetzt findet ihr das plötzlich ganz spannend, stimmt’s?

Ihr seid nicht allein. Der erste Science Slam der Uni Bern hat das Publikum aus den Schuhen gefegt und auch die zweite Ausgabe ist schon fast ausverkauft. Sie findet am 18. Mai im Schlachthaus Theater Bern statt.

Jetzt kommt unter imaginärem Trommelwirbel das Beste: Kurzfristig sind zwei Vortragsplätze frei geworden. Wer an einer Hochschule mit Forschung zu tun hat und sich im Scheinwerferlicht bräunen möchte, der melde sich sofort bei Nicola von Greyerz.

Flyer des Science Slam als PDF

Wenn sich niemand meldet, werde ich meine Masterarbeit abstauben und fröhliches Folien-Karaoke zelebrieren. Erstens wollt ihr das dem Publikum nicht antun und zweitens war es eine leere Drohung. Ran ans Mikrofon!

Es sei in dieser dezent ausgegrauten Fussnote schleichend erwähnt, dass Klarkom den pinken Hirsch sowie ein Glas Wasser für jeden Referenten sponsert.

Kreativität

Ich weiss, ihr wollt keine Videos sehen, die länger als 5 Minuten dauern. Und wenn ich jetzt noch sage, dass es heute nicht um kleine Kätzchen… HEY, SO WARTET DOCH! Na gut, ihr dort hinten mit den Vokuhilas dürft gehen. Die anderen nehmen ein Glas Wasser und schauen sich bitte diese zwei TED-Referate von Sir Ken Robinson an. Und zwar aus Gründen:

  1. Das Thema: Kreativität und wie unser Bildungssystem sie zerstört.
  2. Der Referent: Ken Robinson zeigt keine Folien, er erzählt Geschichten.


TED2006


TED2010

Ich weiss, die Videos sind schon etwas älter und gingen bereits um die Welt. Aber sie sind halt so sehenswert, dass ich sie trotzdem noch verbloggen darf. Sir Ken Robinson führt übrigens auch eine Website, twittert und schreibt Bücher.

Der Neue im Wald

Erinnert Ihr euch noch, wie ich meinen Traumjob suchte? Zuerst einmal vielen Dank für eure Unterstützung. Sie hat gewirkt.

Heute berichten persoenlich.com, Werbewoche, BPRG und Klein Report übereinstimmend, dass ich eine neue Stelle angetreten hätte. Na gut, wird wohl stimmen. Angeblich handelt es sich um eine Stelle als Projektleiter bei der Berner Kommunikationsagentur Klarkom. Da kann ich mir nur gratulieren.

Die Stelle ist mir tatsächlich aufs Geweih geschneidert. Ich kann mich einbringen als wendiges Wiesel der Onlinekommunikation und lerne von den erfahrenen Füchsen der klassischen Kommunikation. Dass Klarkom auf Nachhaltigkeit spezialisiert ist, kommt mir als Ökoratte zusätzlich entgegen. Im gleichen Wald wohnen auch unsere Freunde von by the way communications. Mit ihnen führen wir eine enge Partnerschaft und suchen darum immer öfter gemeinsam Beeren und Nüsse. Es macht Spass, im Wald der Kommunikation.

Und an alle Kinder, die mitlesen: Wenn ihr eine schöne Fabelmetapher bastelt, dann gebt euch nicht zwei verschiedene Tierarten. Das wäre peinlich. Wenn ihr mich jetzt bitte entschuldigt, der Büffel begibt sich zum Wasserloch.

Pausengedanken

Bin nervös. So lange nicht gebloggt. Zuerst wollte ich so tun, als sei das Absicht gewesen. Irgendwas von schöpferischer Pause hätt ich dann geschrieben. Nur, ich weiss gar nicht: Gönnt sich der Schöpfer während einer schöpferischen Pause eigentlich eine Pause zum Schöpfen oder eine Pause vom Schöpfen? Schöpfen ist auch so ein Wort, das komisch klingt, wenn man es mehrmals sagt. Wie Mayonnaise.

Mayonnaise mag ich übrigens nicht. Vielleicht weil sie aussieht wie Eiter; aber wahrscheinlich weil sie so schmeckt. Momentan würd ich zwar schon Mayonnaise essen. Hab ja auch Hunger. In meiner Küche brennt seit Wochen kein Licht mehr und ich kann nur noch bei Tageslicht kochen. Experten sprechen von Lichtnahrung. Zum Glück hat die Sommerzeit das Problem etwas entschärft.

Natürlich könnte ich die Glühbirne ersetzen. Könnte. Das fällt mir immer erst im Dunkeln ein und dann ist es nicht mehr hell genug. Logisch. Ausserdem haben sich im Lampenschirm Insekten bestatten lassen. Und noch ausserdemiger müsste ich die Lampe durch ein LED-Dingsbums ersetzen. Sowas kann ich mir halt nicht leisten.

Ihr seht, mein Leben sprüht vor Abenteuer. Natürlich ist da noch mehr; mein neuer Job zum Beispiel. Darüber will ich aber erst später berichten. Das ist hier wie beim Fernsehen, ich halte euch an der kurzen Leine. Auf Werbung müsst ihr aber verzichten.

So, mich dürstet nach einem Glas Wasser; aus dem Bad, da hat’s Licht.