Ein Twitterer aus Bern unter Pandas in Zürich

Beiträge mit Schlagwort ‘Essen’

Pausengedanken

Bin nervös. So lange nicht gebloggt. Zuerst wollte ich so tun, als sei das Absicht gewesen. Irgendwas von schöpferischer Pause hätt ich dann geschrieben. Nur, ich weiss gar nicht: Gönnt sich der Schöpfer während einer schöpferischen Pause eigentlich eine Pause zum Schöpfen oder eine Pause vom Schöpfen? Schöpfen ist auch so ein Wort, das komisch klingt, wenn man es mehrmals sagt. Wie Mayonnaise.

Mayonnaise mag ich übrigens nicht. Vielleicht weil sie aussieht wie Eiter; aber wahrscheinlich weil sie so schmeckt. Momentan würd ich zwar schon Mayonnaise essen. Hab ja auch Hunger. In meiner Küche brennt seit Wochen kein Licht mehr und ich kann nur noch bei Tageslicht kochen. Experten sprechen von Lichtnahrung. Zum Glück hat die Sommerzeit das Problem etwas entschärft.

Natürlich könnte ich die Glühbirne ersetzen. Könnte. Das fällt mir immer erst im Dunkeln ein und dann ist es nicht mehr hell genug. Logisch. Ausserdem haben sich im Lampenschirm Insekten bestatten lassen. Und noch ausserdemiger müsste ich die Lampe durch ein LED-Dingsbums ersetzen. Sowas kann ich mir halt nicht leisten.

Ihr seht, mein Leben sprüht vor Abenteuer. Natürlich ist da noch mehr; mein neuer Job zum Beispiel. Darüber will ich aber erst später berichten. Das ist hier wie beim Fernsehen, ich halte euch an der kurzen Leine. Auf Werbung müsst ihr aber verzichten.

So, mich dürstet nach einem Glas Wasser; aus dem Bad, da hat’s Licht.

Pandashopping

Die älteren unter euch erinnern sich noch daran, wie ich sechs Wochen vegan lebte. Das war irgendwann vor der letzten Sonnenfinsternis.

Damals realisierte ich, irgendwo zwischen Tofu und Gemüse, wie wenig wir über unser Essen wissen. Verpackte Lebensmittel zeigen uns zwar ihre Zutaten, vor dem Herstellungsprozess aber hängt der Vorhang der Ahnungslosigkeit.

Eine kurze Milchbüechlirechnung ergibt, dass ich für Lebensmittel im Jahr zwischen ein und zwei Monatslöhne ausgebe. Mit diesem Budget obliegt mir als Konsument eine ethische Verantwortung, die ich heute mit schwachem Informationshintergrund wahrnehmen muss.

Zum Glück gibt es Hilfsmittel. So zum Beispiel die WWF Ratgeber App für iPhone und Android. Sie zeigt mir, wo ich ein Goût Mieux Restaurant finde, welche Labels empfehlenswert sind und welche Gemüse und Früchte derzeit reifen. Ich esse keinen Fisch. Täte ich das, so zeigte mir die App, welche Fische sich derzeit lieber vermehren als via Filetmesser auf meinen Teller zu hüpfen. Nach Durchsicht der Liste kann ich mir nicht vorstellen, wie ein Konsument ohne solch ein Hilfsmittel verantwortungsvoll Fisch kaufen kann.

Auch Migipedia ist ein wertvolles Projekt. Zwar liefert die Migros dort selber wenig Informationen, bietet ihren Kunden aber eine Plattform, um sich über Produkte auszutauschen. Das ist ehrenhaft, denn die Migros erlaubt damit auch kritische Kommentare.

Was freilich noch fehlt, ist eine umfassende Datenbank mit offenen Schnittstellen. Ich möchte mit meinem Telefon den Barcode eines Produktes einscannen und damit alle Details zu dessen Herstellung finden. Natürlich inklusive Informationen von Drittorganisationen, zum Beispiel der Einschätzung des WWF zu einem bestimmten Fisch.

Ich weiss allerdings noch nicht, wie ich den Barcode von Wasser aus dem Wasserhahn einscannen könnte.

Twitterchroniken

Samstag, 20.11.2010 – 08:00
Der @souslik steht auf, während sein Wecker Rachmaninows Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2 c-moll op. 18 erklingen lässt. Das ist zwar gelogen, klingt aber enorm gebildet. Beim Duschen läuft ihm Wasser in den Mund. Kein Wunder, er lächelt ob des Tages der ihn erwartet. (An die jüngeren Leser: Das war ein Genitiv; diesen Fall haben wir früher öfters benutzt. Und das gerade war ein Semikol… ach vergesst es.)

10:10
Verspätet trifft souslik am Smartphone Gipfel 2 vom @leumund ein. Dort unterhält er sich mit @Touni über Flugzeuge und vergisst, diese Windows 7 Telefone zu testen. Er drückt dann doch noch verzückt auf einem Galaxy Tab rum und ärgert sich über die Gadgetaskese, mit der er hier mal rumplagööret hat.

12:20
Mit @prunio und @mgafner reist unser Held (häm) weiter an den Avatarday, wo @pictura an diesem Tag 77 Nasen und 154 Ohren fotografieren wird. Nicht nur Models, sondern auch Helfer beehren sie. @kailash_yoga braut Tee mit der Beisszange, @turbotifi und viele mehr backen (z.B. die Mutter vom @kusito), @atizo bringt Schoggi, @stefan_herrmann Bier, @aennnu assistiert, @dworni macht mit Technik und so. Natürlich helfen noch viele mehr, aber ich werde hier nicht pro Zeile bezahlt.

13:45
Souslik verlässt den Avatarday und trifft sich mich mit Nichttwitterern zu Kaffe und Kuchen. Mit Leuten, die ihn unter seinem Offline-Nicknamen Goofy kennen. Fragt nicht. Er versucht eine Heizung zu reparieren und wird angeschrien.

17:00
Zurück am Avatarday. Weitere Besucher sind eingetroffen, unter anderem Karate-Kid @lossenka. Gutaussehende Leute erhalten noch viel besser aussehende Bilder. Männer lassen sich die Augenbrauen zupfen und finden Spass daran. Gut möglich, dass es an Laura, Josiane und Jovana von Kosmetik-Bellezza liegt, die finden, dass Mann sich das alle 4 Wochen gönnen sollte. Souslik wird den Rat befolgen, aber der hört ja auch Rachmaninow.

19:00
Ein harter Kern räumt die Reste des Avatardays auf. @kusito, @dworni, @souslik, @a6rian und Sabine speisen beim Italiener. Lieblingszürcher @pumuggel und Wortkünstlerin @deppenapostroph gesellen sich dazu. Die Gruppe unterhält sich, isst Focaccia, trinkt Martini, Wein und Gürteltierschnaps.

01:00
Den ganzen Tag über tauschten sich alte Bekannte aus und bisher Unbekannte lernten sich kennen. Interessante, lustige und nette Leute gesellten sich ständig dazu, andere gingen wieder. Es war gut. Irgendwann nach Mitternacht meldet sich auch der souslik mit einer billigen Ausrede ab. Er ist müde aber glücklich.

01:30
Müde ist, wenn man trotzdem twittert.

02:30
Wie jeder aufregende Tag endet auch dieser mit einem Glas Wasser.

Die Mall

Es ist Sonntag im Westside. Väter führen ihre Familie aus, dicke Kinder drücken sich Pommes ins Gesicht und aufgedonnerte Teenieweiber liebäugeln mit der ersten Schwangerschaft. Die Leute sprechen deutsch, einige französisch.

Gut sieht sie aus, diese Mall. Ihre Architektur besticht die Konsumkritik. Läden überzeugen den Besucher von der Notwendigkeit des Überflüssigen. Das Kino bietet Blockbuster. Ich sitze in der Lounge vom McCafé.

Ende Experiment

Zum Ende meines veganen Experimentes lesen Sie ein exklusives Interview mit mir selbst. Die Fragen stammen teilweise von netten Leuten auf Twitter.

Darf ich Sie duzen?
Klar, wir kennen uns jetzt schon 10 Jahre, seit sich damals diese gespaltene Persönlichkeit entwickelte.

Worum geht es eigentlich?
Um Leben und Leiden. Oder einfach darum, dass ich einen Monat lang vegan gelebt habe.

Weshalb hörst du auf?
Das Experiment war von Anfang an auf einen Monat begrenzt und endete am 22. Oktober. Alles was danach kommt, gehört nicht mehr zum Experiment.

Du isst jetzt also wieder Fleisch?
Nein, ich bin seit 21 Jahren Vegetarier und das wird auch so bleiben.

Aber Milchprodukte und Eier?
Ich hatte seit dem 22. Oktober eine Kürbissuppe, die angeblich Milch enthielt und ein Raclette. Ansonsten war ich brav.

Soso, brav. Wie geht es denn weiter?
Das weiss ich selber nicht genau. Ich möchte den grössten Teil der veganen Ernährung beibehalten aber flexibel sein für Ausnahmen. Mal ein Fondue im Winter, mal jemandem der mich einlädt keine Vorschriften machen müssen.

Aber?
So ganz wohl fühle ich mich dabei nicht, weil ich gerne streng wäre. Das Experiment hatte ja schon seine Gründe. Ich bin nicht zufrieden mit der Industriellen Tiernutzung und möchte meinen Teil zu einer besseren Welt beitragen.

Wirst du deine Superkräfte nicht vermissen?
Eben schon. Superkräfte sind toll. Irgendwann möchte ich deshalb auch wieder komplett vegan Leben, denn Superkräfte gibt’s nur dann.

Zurück zum Experiment. Was sind deine Erkenntnisse?
Ich habe verschiedene Einsichten gewonnen. Die Haupterkenntnis ist wahrscheinlich, dass es auch Spass machen kann, sich einzuschränken.

War es denn schwierig?
Lustigerweise nicht, ich habe stets gut gegessen. Was ich nicht erwartet hätte: Es ist leichter, im Restaurant ein veganes Menü zu bestellen, als im Quartiercoop einen Snack zu finden.

Bereust du etwas?
Bereuen nicht. Aber ich hätte aktiver sein wollen. Vegane Rezepte kochen, mich über Herstellungsmethoden und Ernährung informieren, täglich bloggen.

Hatte die vegane Ernährung einen Einfluss auf deine Stimmung?
Ich weiss es nicht. Schon möglich. Ich war zufrieden mit dem Leben, trotz viel Arbeit und Prüfungen. Ist aber vielleicht auch einfach ein guter Monat gewesen.

… auf die Gesundheit?
Wahrscheinlich. Ich habe gesündere Lebensmittel gegessen und fühle mich heute körperlich fitter. Das war jetzt einfach bei mir so. Klar kann man sich mit einem Wechsel auf vegane Diät auch ungesünder ernähren. Cha me mache.

Hast du Gewicht verloren?
Nicht viel. Mein Gewicht ist aber seit sechs Wochen deutlich konstanter als vorher. Die früher legendären Fressattacken blieben aus und das ist gut so.

Fühlst du dich schuldig, dass du einem Tier das Leben verlängert hast?
Huch nein, ich fühle mich weder schuldig noch stolz. Ich fühle mich als würde ich eine Pflicht erfüllen. Komisch, ich habe keine Ahnung wieso.

Was ist dein nächstes Experiment?
Ich habe tolle Vorschläge erhalten, von denen ich sicher einige umsetzen werde. Aber erst später; in den nächsten Monaten ist auch sonst viel los.

Darf man dir in den Kommentaren weitere Fragen stellen?
Unbedingt, ich freue mich.

Was trinkst du da?
Ein Glas Wasser, wie immer.

Seniorenresidenz

„Kinder, am Samstag besuchen wir Grossvater im Altersheim.“

Liebe Freunde. Freut ihr euch aufs Alter? Essen, lästern und Besuch empfangen. Da ich diesen Samstag erneut in Richtung Pension schreite, wollen wir das mal üben. Ich bin der Grossvater, ihr die Verwandten und meine Wohnung die Seniorenresidenz.

Ihr besucht mich, weil ihr ein schlechtes Gewissen habt. Wann ist egal, der Grossvater ist ja eh da:

  • Am Morgen zum Brunch
  • Nachmittags um Geschichten über den Krieg zu hören
  • Abends zum Essen
  • Spätabends für einen Umtrunk
  • Nachts um mit Grossvater die Sau raus zu lassen
  • Von früh bis spät in der Hoffnung auf Erbschaft

Es dürfen alle kommen, auch ganz entfernte Verwandte. Ihr lernt Leute kennen und der Grossvater ist glücklich weil im Heim mal wieder rambazamba ist.

Also nochmals für die, bei denen der Kopf nicht mehr recht will:

Samstag 30. Oktober 2010, ganzer Tag
Im Domicil Souslik am Seidenweg 30 in Bern

Geschenke müsst ihr nicht mitbringen, das hat der Grossvater bis zu eurem Geburtstag sowieso vergessen. Essen und Trinken mitbringen ist zur Not erlaubt. Der Grossvater hat zwar alles im Haus, aber er weiss halt nicht, was bei den Jungen heute so in ist.

Lasst doch kurz einen Kommentar liegen, falls ihr zu erscheinen gedenkt. Dann weiss die Tante, die euch nicht mag, dass sie nicht kommen darf und ich weiss, wie viele Pflegerinnen ich aufbieten muss. Daran halten braucht ihr euch nicht, das Gedächtniskchchkhchckkch… Wasser kdchchd … Blutverdünner … quer kcröckelchchch… im Hals.

Danke, mir geht’s gut

@mauis stellt eine indiskrete Frage: @souslik du musst ja schon recht an gewicht verloren haben als veganer, nicht? #indiskretefrage

Der aufmerksame Leser erkennt am Hashtag, dass die Frage tatsächlich sehr indiskret ist. Ich will mal nicht so sein und beantworte sie trotzdem.

Ich bin ein unregelmässiger Esser und darum ein schlimmeres Jojo als die durchschnittliche Brigitte-Leserin. Mein Gewicht schwankte über wenige Wochen jeweils um knapp 5 kg. Seit Beginn der veganen Ernährung ist es konstant am unteren Ende dieses Bandes. Das ist gut, denn dort liegt mein Wohlfühlgewicht, die perfekte Mischung zwischen drahtig und kuschelig.

Wahrscheinlich könnte man mit veganer Ernährung gut abnehmen. Man muss aber nicht, denn die Versorgung mit Kohlenhydraten, Fetten und Eiweissen ist keine besondere Herausforderung. Der Grund für mein derzeit eher tiefes Gewicht sind die ausbleibenden Hungerattacken nach Dessert. Der Körper hat nach einer Woche begriffen, dass das Betteln nichts bringt.

Auch sonst fühle ich mich ganz dufte. Ich hüpfe morgens zur Arbeit wie ein junges Rehli, schiesse im Unihockey doppelt so viele Tore wie zuvor und beobachte zufrieden, wie mich junge Frauen mit den Augen aus… äh aus der Menge picken, um mir ein Lächeln zu schenken. Ich lade sie dann jeweils zu einem Glas Wasser ein. Diskret, versteht sich.