Ein Twitterer aus Bern unter Pandas in Zürich

Archiv für November, 2010

Pandas streicheln

Mutter Natur, ich muss beichten: Bis gestern Abend war ich nicht Mitglied des WWF. Ich führte ein wildes Leben mit ständig wechselnden Onenightspenden ohne Verpflichtung. Doch nun bin ich bereit, mehr Verantwortung zu übernehmen. Lieber WWF, ja ich will!

Wer sich auch ökoromantisch fühlt, der kann bequem online in den heiligen Bund der Natur treten. Lasset uns feiern, ich habe extra eine Flasche vom guten Wasser kalt gestellt.

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Brot auf dem Brett

Zum Geburtstagsfest der Brüder Vielarbeit und Wenigzeit erscheint Cousin Nochmehrarbeit. Dem seit Beginn anwesenden Kollegen Übersicht verleidet die Party und er macht einen französischen Abgang. Kurz darauf übergibt sich Priorisierung auf dem WC. Ihm war schon seit Stunden übel. Überraschend schaut spät am Abend auch noch der verschollen geglaubte Chaos rein und benimmt sich, als hätte er nichts dazu gelernt.

Avoir du pain sur la planche.

Brot auf dem Brett haben, so nennen wir bei Puzzle ITC dieses Problem. Oder zumindest die erste Stufe davon, viel Arbeit bei wenig Zeit. Wir ergreifen dann Massnahmen, um die weiteren Stufen zu vermeiden.

Diesen Mittwoch organisieren Tinu, Bruno und ich für unsere Kollegen einen Miniworkshop zum Thema Zeit- und Taskmanagement. Dabei wollen wir Tipps und Tricks austauschen. Wir werden uns gegenseitig Werkzeuge vorstellen wie Remember the Milk und Bücher wie Getting Things Done. Wir werden darüber philosophieren, wie wir die knappe Zeit einteilen und wie wir das noch besser tun können. Best Practices, sagt der Angelsachse.

Jetzt benötige ich eure Hilfe um das Programm abzurunden. Es gibt Leute, die nennen das Crowdsourcing oder Followerpower. Was sind eure Tipps fürs perfekte Zeit- und Taskmanagement? Wie seid ihr organisiert, welche Werkzeuge verwendet ihr und welche Bücher könnt ihr empfehlen? Selbstverständlich verblogge ich hinterher auch die Erkenntnisse aus unserem Workshop. Trinken wir ein Glas Wasser auf dieses Followercrowdpowersourcing.

Twitterchroniken

Samstag, 20.11.2010 – 08:00
Der @souslik steht auf, während sein Wecker Rachmaninows Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2 c-moll op. 18 erklingen lässt. Das ist zwar gelogen, klingt aber enorm gebildet. Beim Duschen läuft ihm Wasser in den Mund. Kein Wunder, er lächelt ob des Tages der ihn erwartet. (An die jüngeren Leser: Das war ein Genitiv; diesen Fall haben wir früher öfters benutzt. Und das gerade war ein Semikol… ach vergesst es.)

10:10
Verspätet trifft souslik am Smartphone Gipfel 2 vom @leumund ein. Dort unterhält er sich mit @Touni über Flugzeuge und vergisst, diese Windows 7 Telefone zu testen. Er drückt dann doch noch verzückt auf einem Galaxy Tab rum und ärgert sich über die Gadgetaskese, mit der er hier mal rumplagööret hat.

12:20
Mit @prunio und @mgafner reist unser Held (häm) weiter an den Avatarday, wo @pictura an diesem Tag 77 Nasen und 154 Ohren fotografieren wird. Nicht nur Models, sondern auch Helfer beehren sie. @kailash_yoga braut Tee mit der Beisszange, @turbotifi und viele mehr backen (z.B. die Mutter vom @kusito), @atizo bringt Schoggi, @stefan_herrmann Bier, @aennnu assistiert, @dworni macht mit Technik und so. Natürlich helfen noch viele mehr, aber ich werde hier nicht pro Zeile bezahlt.

13:45
Souslik verlässt den Avatarday und trifft sich mich mit Nichttwitterern zu Kaffe und Kuchen. Mit Leuten, die ihn unter seinem Offline-Nicknamen Goofy kennen. Fragt nicht. Er versucht eine Heizung zu reparieren und wird angeschrien.

17:00
Zurück am Avatarday. Weitere Besucher sind eingetroffen, unter anderem Karate-Kid @lossenka. Gutaussehende Leute erhalten noch viel besser aussehende Bilder. Männer lassen sich die Augenbrauen zupfen und finden Spass daran. Gut möglich, dass es an Laura, Josiane und Jovana von Kosmetik-Bellezza liegt, die finden, dass Mann sich das alle 4 Wochen gönnen sollte. Souslik wird den Rat befolgen, aber der hört ja auch Rachmaninow.

19:00
Ein harter Kern räumt die Reste des Avatardays auf. @kusito, @dworni, @souslik, @a6rian und Sabine speisen beim Italiener. Lieblingszürcher @pumuggel und Wortkünstlerin @deppenapostroph gesellen sich dazu. Die Gruppe unterhält sich, isst Focaccia, trinkt Martini, Wein und Gürteltierschnaps.

01:00
Den ganzen Tag über tauschten sich alte Bekannte aus und bisher Unbekannte lernten sich kennen. Interessante, lustige und nette Leute gesellten sich ständig dazu, andere gingen wieder. Es war gut. Irgendwann nach Mitternacht meldet sich auch der souslik mit einer billigen Ausrede ab. Er ist müde aber glücklich.

01:30
Müde ist, wenn man trotzdem twittert.

02:30
Wie jeder aufregende Tag endet auch dieser mit einem Glas Wasser.

Die Mall

Es ist Sonntag im Westside. Väter führen ihre Familie aus, dicke Kinder drücken sich Pommes ins Gesicht und aufgedonnerte Teenieweiber liebäugeln mit der ersten Schwangerschaft. Die Leute sprechen deutsch, einige französisch.

Gut sieht sie aus, diese Mall. Ihre Architektur besticht die Konsumkritik. Läden überzeugen den Besucher von der Notwendigkeit des Überflüssigen. Das Kino bietet Blockbuster. Ich sitze in der Lounge vom McCafé.

Ende Experiment

Zum Ende meines veganen Experimentes lesen Sie ein exklusives Interview mit mir selbst. Die Fragen stammen teilweise von netten Leuten auf Twitter.

Darf ich Sie duzen?
Klar, wir kennen uns jetzt schon 10 Jahre, seit sich damals diese gespaltene Persönlichkeit entwickelte.

Worum geht es eigentlich?
Um Leben und Leiden. Oder einfach darum, dass ich einen Monat lang vegan gelebt habe.

Weshalb hörst du auf?
Das Experiment war von Anfang an auf einen Monat begrenzt und endete am 22. Oktober. Alles was danach kommt, gehört nicht mehr zum Experiment.

Du isst jetzt also wieder Fleisch?
Nein, ich bin seit 21 Jahren Vegetarier und das wird auch so bleiben.

Aber Milchprodukte und Eier?
Ich hatte seit dem 22. Oktober eine Kürbissuppe, die angeblich Milch enthielt und ein Raclette. Ansonsten war ich brav.

Soso, brav. Wie geht es denn weiter?
Das weiss ich selber nicht genau. Ich möchte den grössten Teil der veganen Ernährung beibehalten aber flexibel sein für Ausnahmen. Mal ein Fondue im Winter, mal jemandem der mich einlädt keine Vorschriften machen müssen.

Aber?
So ganz wohl fühle ich mich dabei nicht, weil ich gerne streng wäre. Das Experiment hatte ja schon seine Gründe. Ich bin nicht zufrieden mit der Industriellen Tiernutzung und möchte meinen Teil zu einer besseren Welt beitragen.

Wirst du deine Superkräfte nicht vermissen?
Eben schon. Superkräfte sind toll. Irgendwann möchte ich deshalb auch wieder komplett vegan Leben, denn Superkräfte gibt’s nur dann.

Zurück zum Experiment. Was sind deine Erkenntnisse?
Ich habe verschiedene Einsichten gewonnen. Die Haupterkenntnis ist wahrscheinlich, dass es auch Spass machen kann, sich einzuschränken.

War es denn schwierig?
Lustigerweise nicht, ich habe stets gut gegessen. Was ich nicht erwartet hätte: Es ist leichter, im Restaurant ein veganes Menü zu bestellen, als im Quartiercoop einen Snack zu finden.

Bereust du etwas?
Bereuen nicht. Aber ich hätte aktiver sein wollen. Vegane Rezepte kochen, mich über Herstellungsmethoden und Ernährung informieren, täglich bloggen.

Hatte die vegane Ernährung einen Einfluss auf deine Stimmung?
Ich weiss es nicht. Schon möglich. Ich war zufrieden mit dem Leben, trotz viel Arbeit und Prüfungen. Ist aber vielleicht auch einfach ein guter Monat gewesen.

… auf die Gesundheit?
Wahrscheinlich. Ich habe gesündere Lebensmittel gegessen und fühle mich heute körperlich fitter. Das war jetzt einfach bei mir so. Klar kann man sich mit einem Wechsel auf vegane Diät auch ungesünder ernähren. Cha me mache.

Hast du Gewicht verloren?
Nicht viel. Mein Gewicht ist aber seit sechs Wochen deutlich konstanter als vorher. Die früher legendären Fressattacken blieben aus und das ist gut so.

Fühlst du dich schuldig, dass du einem Tier das Leben verlängert hast?
Huch nein, ich fühle mich weder schuldig noch stolz. Ich fühle mich als würde ich eine Pflicht erfüllen. Komisch, ich habe keine Ahnung wieso.

Was ist dein nächstes Experiment?
Ich habe tolle Vorschläge erhalten, von denen ich sicher einige umsetzen werde. Aber erst später; in den nächsten Monaten ist auch sonst viel los.

Darf man dir in den Kommentaren weitere Fragen stellen?
Unbedingt, ich freue mich.

Was trinkst du da?
Ein Glas Wasser, wie immer.