Ein Twitterer aus Bern unter Pandas in Zürich

Archiv für Oktober, 2010

Gürteltierschnaps unter Freunden

Gestern feierten wir ein Fest. Ein gutes Fest. Ob es dabei um meinen Geburtstag ging oder einfach um das fröhliche Beisammensein, spielt am Ende keine Rolle. Wie immer hat David alles schon sauber dokumentiert. Lest es euch bitte kurz durch, ich warte unterdessen.

Neben den erwähnten @lossenka, @kusito, @christianhirsig, @aennu, @hosae, @aendu, @turbotifi, @pictura, @dasrecht, @dworni, @souslik waren ausserdem zugegen: @mgafner, @leumund, @kailash_yoga, @uelih, @simuh, @markwaber, @d_tschan, @ironcode, @justcolors, @rawyler, @annasto sowie Anu, Eveline, Janis, Sabine, Corina, Ramona, Claudia, Stifi, Stini, Meli, Luki, Vogi und Caroline. Die Twitterer waren also in der Überzahl.

Früher hatte man Freunde im sogenannten richtigen Leben und als Nerd zusätzlich ein paar Freunde im Internet. Diese beiden Gruppen sahen sich natürlich nie. Zum Glück ist das heute anders. Wir treffen uns mit Leuten, die wir via Internet kennen und halten per Internet Kontakt mit Kollegen aus der Schulzeit. Alle sind sie einfach Freunde, also Leute, die aus einem durchschnittlichen Leben ein grossartiges Leben machen. Vielen Dank an die Freunde, die mit mir feierten.

Jetzt trinke ich ein Schlücklein Wasser aus einem der Zinnbecher, die ich gestern erhielt. Natürlich konnten sich einige nicht an den Hinweis halten, keine Geschenke zu bringen. Nun bin ich ausgerüstet, mit nützlichen Dingen für die Zeit nach der Pensionierung.

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Seniorenresidenz

„Kinder, am Samstag besuchen wir Grossvater im Altersheim.“

Liebe Freunde. Freut ihr euch aufs Alter? Essen, lästern und Besuch empfangen. Da ich diesen Samstag erneut in Richtung Pension schreite, wollen wir das mal üben. Ich bin der Grossvater, ihr die Verwandten und meine Wohnung die Seniorenresidenz.

Ihr besucht mich, weil ihr ein schlechtes Gewissen habt. Wann ist egal, der Grossvater ist ja eh da:

  • Am Morgen zum Brunch
  • Nachmittags um Geschichten über den Krieg zu hören
  • Abends zum Essen
  • Spätabends für einen Umtrunk
  • Nachts um mit Grossvater die Sau raus zu lassen
  • Von früh bis spät in der Hoffnung auf Erbschaft

Es dürfen alle kommen, auch ganz entfernte Verwandte. Ihr lernt Leute kennen und der Grossvater ist glücklich weil im Heim mal wieder rambazamba ist.

Also nochmals für die, bei denen der Kopf nicht mehr recht will:

Samstag 30. Oktober 2010, ganzer Tag
Im Domicil Souslik am Seidenweg 30 in Bern

Geschenke müsst ihr nicht mitbringen, das hat der Grossvater bis zu eurem Geburtstag sowieso vergessen. Essen und Trinken mitbringen ist zur Not erlaubt. Der Grossvater hat zwar alles im Haus, aber er weiss halt nicht, was bei den Jungen heute so in ist.

Lasst doch kurz einen Kommentar liegen, falls ihr zu erscheinen gedenkt. Dann weiss die Tante, die euch nicht mag, dass sie nicht kommen darf und ich weiss, wie viele Pflegerinnen ich aufbieten muss. Daran halten braucht ihr euch nicht, das Gedächtniskchchkhchckkch… Wasser kdchchd … Blutverdünner … quer kcröckelchchch… im Hals.

Danke, mir geht’s gut

@mauis stellt eine indiskrete Frage: @souslik du musst ja schon recht an gewicht verloren haben als veganer, nicht? #indiskretefrage

Der aufmerksame Leser erkennt am Hashtag, dass die Frage tatsächlich sehr indiskret ist. Ich will mal nicht so sein und beantworte sie trotzdem.

Ich bin ein unregelmässiger Esser und darum ein schlimmeres Jojo als die durchschnittliche Brigitte-Leserin. Mein Gewicht schwankte über wenige Wochen jeweils um knapp 5 kg. Seit Beginn der veganen Ernährung ist es konstant am unteren Ende dieses Bandes. Das ist gut, denn dort liegt mein Wohlfühlgewicht, die perfekte Mischung zwischen drahtig und kuschelig.

Wahrscheinlich könnte man mit veganer Ernährung gut abnehmen. Man muss aber nicht, denn die Versorgung mit Kohlenhydraten, Fetten und Eiweissen ist keine besondere Herausforderung. Der Grund für mein derzeit eher tiefes Gewicht sind die ausbleibenden Hungerattacken nach Dessert. Der Körper hat nach einer Woche begriffen, dass das Betteln nichts bringt.

Auch sonst fühle ich mich ganz dufte. Ich hüpfe morgens zur Arbeit wie ein junges Rehli, schiesse im Unihockey doppelt so viele Tore wie zuvor und beobachte zufrieden, wie mich junge Frauen mit den Augen aus… äh aus der Menge picken, um mir ein Lächeln zu schenken. Ich lade sie dann jeweils zu einem Glas Wasser ein. Diskret, versteht sich.

Warum?

Eine Frage muss ich seit Beginn meines veganen Experimentes immer wieder beantworten: „Warum machst du das?“ Dabei fehlen mir oft die richtigen Worte. Zum Glück gibt es Leute, die rhetorisch geschickter sind als ich. Ellen DeGeneres bringt den Grund für vegane Ernährung auf den Punkt.

Aus genau diesen Überlegungen wollte ich schon seit Jahren Veganer werden. Solche Pläne auf später zu verschieben ist aber einfach und bislang war es mir zu mühsam, komplett auf tierische Produkte zu verzichten. Vor gut einem Monat sah ich dann den im Interview erwähnten Film Earthlings.

Earthlings ist schwere Kost. Nicht umsonst sagen viele, es sei der brutalste Film aller Zeiten. Was wir bei Horrorstreifen wie Saw als Fiktion konsumieren, ist hier tägliche Realität. Für mich war mit der Betrachtung dieses Filmes der Bogen der Verdrängung überspannt. Wie kann ich unterstützen, was so abscheulich ist, dass kaum jemand hinsehen will? Ich kann nicht. Das Experiment, einen Monat vegan zu leben, ist mein erster Schritt zur Bewältigung dieses Dilemmas.

Eines ist mir wichtig: Ich will niemanden zum Veganismus überreden. Dennoch empfehle ich jedem, Earthlings zu schauen. Es ist ein brutaler aber gut gemachter Film, der interessante Fragen aufwirft. Earthlings gibt es als DVD oder kostenlos im Web.

Spreewaldgurken, Gemüseteller und Pferde

Plötzlich türmt sich die Arbeit, Prüfungen wollen gelernt sein und für private Projekte bleibt kaum noch Zeit. Darunter gelitten hat mein Blog, zum Glück aber nicht das vegane Experiment. Eine Zusammenfassung der letzten Tage.

Bernerhof-Starhotelier Thomas Frei und Feinkost-Guru Patric Lutz luden die Twittergemeinde zum tweet up – slow down in Gstaad ein und viele sind gekommen. Darunter auch ich, der eklige Veganer. Gemeinsam verbrachten wir ein Wanderwochenende voller Erlebnisse und herzlicher Gastfreundschaft. Auch wenn ich ein paar nichtvegane Delikatessen verpasst habe, so gab es immer noch genügend pflanzliche Köstlichkeiten an denen ich mich laben konnte. So zum Beispiel die original Spreewaldgurke, welche mich auf der Wanderung begleitete. Vielen Dank Thomas und Patric!

Etwas weniger gediegen ging es unter der Woche weiter. Ein Strategieworkshop verschlug mich in ein Hotel, das seine besten Tage hinter sich hat. Natürlich, neben dem Bernerhof sieht jedes Hotel aus wie ein chilenischer Stollen. Das Personal jedoch verdient ein Kompliment: Das Wort vegan beim Einchecken genügte und ich erhielt während der gesamten Aufenthaltsdauer einwandfrei vegane Menüs – meist gesunde und leckere Gemüseteller.

Generell habe ich mir das auswärtige Veganertum schwieriger vorgestellt. Meist finde ich etwas auf der Karte und wenn nicht, dann hat ein kurzes Gespräch mit dem Kellner noch immer geholfen. Wie viele Köche mir schon ins Essen gespuckt haben, das weiss ich hingegen nicht.

Erfolgreich schlug ich mich auch letzten Sonntag durch, als ich mit zwei Cousinen und meiner Gotte zwecks Geburtstagsfeier die Cafés und Restaurants in Interlaken unsicher machte. Ich konnte nicht alles essen was ich wollte, fand aber immer etwas, das mir schmeckte. Und dann plötzlich – ich so auf der Kutsche mit den drei Damen – fragte ich mich, ob es denn vegan sei, sich von einem Pferd ziehen zu lassen. Vermutlich nicht.

Aber so geht es halt, zwischendurch rassle ich aus Unwissen oder Unüberlegtheit in die Falle. Den Spass an meinem Experiment lasse ich mir nicht verderben. Jetzt ein Schluck Wasser, da kann ich wenig falsch machen.

Neues Thema

Mein veganes Experiment dauert noch bis am 22. Oktober. Ich habe die Schnauze nicht voll, aber ihr vielleicht. Wer der Stoffschüehli, Tofuplätzli und Sojajoghürtli überdrüssig ist, der darf gerne Vorschläge für künftige Monatsthemen abgeben.

Ein paar Ideen haben sich bereits in mein Hirn gebrannt, doch daneben hat es viele kahle Stellen. Erhitzet eure Brandeisen im Feuer der Kreativität und verschonet mich nicht. Denn eines soll euch stets bewusst sein: Ihr müsst den Plunder lesen, nicht ich. So trinke ich das heil’ge Wasser der Neugier und halte euch mein Haupt zu Füssen.

Vegifashionblogging

Mich plagte die Befürchtung, dass ich vegane Schuhe in England bestellen müsste. Ein unangenehmer Gedanke, da die Engländer bekanntlich rechts und links vertauschen. Ausserdem sehen diese veganen Latschen halt immer etwas äh speziell aus.

Doch dann stolperte ich (hihi) in einem Snowboardladen zufälligerweise über diesen Schuh. Er heisst DC Radar TX: DC ist die Marke meines Vertrauens, Radar soll einfach fancy klingen und TX steht für Textil. Chic stand er da, einsam auf dem Stapel von Schuhkartons, nur noch in meiner Grösse verfügbar.

In echt sieht er noch viiiel schöner aus und vielleicht kriegt er bei Gelegenheit violette Bändel spendiert. Pimp my shoes. Alternative Farbempfehlungen nehme ich gerne entgegen. #Fashionbloggerfollowerpower

Falls ich mal einen plöffigen Bankiersschuh benötige, dann werde ich zum Modell Kent Klark greifen. Und jetzt testen wir doch mal, ob so ein Textilschuh auch brav Wasser abweist. Man reiche mir ein Gütterli Evian.